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Google verhandelt mit Verlagen

Das Verhältnis zwischen Google und der Verlagswelt in Europa ist seit einiger Zeit mehr als angespannt. Nun geht der Suchmaschinenriese auf die Verleger zu.

Mit der "Digital News Initiative", also der Initiative für digitale Nachrichten, will Google nun den Online-Journalismus fördern. Ca. 150 Millionen Euro insgesamt investiert das Unternehmen dafür in ausgewählte europäische Zeitschriften. Auf deutscher Seite sind die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Zeit mit von der Partie. Die Financial Times und The Guardian aus Großbritannien, NRC Media aus den Niederlanden, Les Echos aus Frankreich, El País aus Spanien und La Stampa aus Italien gehören ebenfalls zu den Auserwählten. Sie alle sollen nun vom Google-Zuschuss profitieren.

Wird Google Redakteur?

In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe sollen die acht Gründungsmitglieder in nächster Zeit mit Google über die digitale Darstellung und Zugänglichkeit ihrer Texte debattieren. Sie sollen für Google die Insidersicht der Presse werden, die Bedürfnisse der Verlage vertreten und mit dem Konzern diskutieren, inwiefern sich diese stärker in den Google-Produkten verwirklichen lassen. Eine solche Verbindung ruft allerdings auch die Frage auf, inwiefern sich Google damit in das Tagesgeschehen des Online-Journalismus einmischt und noch stärker reglementiert, was wo, wie und wann in den Google-Diensten erscheint. Mathias Blumencron, Chefredakteur des Bereiches „Digitale Medien“ bei der FAZ, beschrieb die Erwartung seiner Redaktion an das neue Bündnis auf seinem Twitter-Account als „skeptisch optimistisch“.

Langer Streit über Snipptes

Andererseits ist die Initiative auch ein erster Schritt in einem lange währenden Streit: In der Vergangenheit nahm man Google und die europäischen Verleger nur als zwei Parteien eines großen Konfliktes wahr. So meldeten die Verlage immer wieder Protest bei Google und den europäischen Behörden an, weil in der bekannten Suchmaschine Textausschnitte für die sogenannten "Snippets" – die kurzen Textblöcke, die unter dem Websitetitel in den Suchergebnissen erscheinen – gebraucht wurden, ohne dafür bei den Verlagen Lizenzen einzuholen. Der Google-Crawler generiert die Abschnitte mit maximal 156 Zeichen i.d.R. selbstständig aus den Artikeln. Die Pressehäuser wollten daraufhin von Google Gebühren für die Textfragmente verlangen, knickten aber ein, als Google drohte, im Falle einer Gebührenverordnung die Textansichten zu kürzen. In den Suchergebnissen sind sie neben dem Seitentitel (oder den Einspielern aus der Google-Bildersuche) der einzige Weg, Besucher auf die eigene Seite zu locken. Auf diese Möglichkeit wollten auch die Verlage nicht verzichten und traten von ihren Forderungen bis auf Weiteres zurück.

Spanien ist raus

Relevant für die heutige Presse ist vor allem der Google-eigene Nachrichtenbereich. Unter dem Reiter „News“ können User speziell nach Neuigkeiten aus Presse & Co zu bestimmten Themen suchen. Als in Spanien 2014 die Regierung auf Drängen der Verleger eine gesetzliche Gebührenordnung festlegte, schaltete Google seinen Newsbereich für den spanischen Raum einfach ab. Laut spanischen Verlegern führte das bisher zu deutlichen Traffic-Einbrüchen. Für eine Wiedereinführung des Nachrichtenbereiches müsste Google seine Newspolitik überdenken oder die spanische Regierung ihr Gesetz verändern, denn bisher dürfen Verleger nicht freiwillig auf die darin festgeschriebene Gebühr verzichten. So bleibt nur zu hoffen, dass die neue Liason vor allem Produktives hervorbringt.

Quelle: http://goo.gl/b1Oe1R