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Studie: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den deutschen Einzelhandel

Forscher des „Ibi Research Institutes“ der Universität Regensburg haben im Rahmen einer Studie den deutschen Einzelhandel analysiert. Gemeinsam mit 41 Industrie- und Handelskammern wurde diese Umfrage durchgeführt. Hierfür wurden deutschlandweit über 2000 Einzelhändler zu ihren Strategien und Geschäftsmodellen befragt.

Der deutsche Einzelhandel 2017

Aktuell verkaufen über 50 Prozent der befragten Händler ihre Waren ausschließlich über ein stationäres Ladengeschäft. Ungefähr 35 Prozent betreiben darüber hinaus einen Online-Shop, gerade mal 11 Prozent der Befragten sind reine Online-Händler.

Sogenannte Multikanalhändler, also Einzelhändler mit stationärem Geschäft und Onlineshop, sind mit einem Anteil von 57 Prozent überwiegend Fotogeschäfte. IT- und Buchhändler sind mit etwa 45 Prozent in dieser Kategorie vertreten.

Bei einem Blick in die Zukunft rechnet ein Viertel der befragten stationären Händler damit, dass ihre erwirtschafteten Umsatzanteile im Ladenvertrieb in den nächsten fünf Jahren enorm zurückgehen werden. Die Online-Händler hingegen gehen zu 83 Prozent davon aus, dass ihr Umsatz in den kommenden Jahren überwiegend gleichbleiben wird. 13 Prozent der Befragten gehen von einem Zuwachs ihres Umsatzes aus, lediglich 4 Prozent rechnen mit einem Rückgang ihrer Einnahmen über den Online-Shop.

Zunahme an Online-Aktivitäten bei Ladengeschäften

Die Autoren der Studie konnten eine weitere positive Entwicklung des deutschen Einzelhandels vermerken. Die verschiedenen Vertriebskanäle wachsen immer mehr zusammen, so verbinden sich Online-Handel und der klassische Ladenvertrieb zu einem immer besser werdenden Konzept. Fast ein Drittel der Befragten setzt auf Services wie Vor-Ort-Abholung oder Online-Reservierung, etwa 11 Prozent planen diese Dienstleistung in Zukunft einzuführen. Das Konzept des Online-Kaufs und der Abholung im lokalen Geschäft wird bereits von einem Viertel der Befragten angeboten.

Digitale Aufwertung des Ladengeschäftes – Fehlanzeige

Wenn es jedoch um die Optimierung des stationären Geschäftes geht sieht es bei den meisten Studienteilnehmern schlecht aus. Kostenloses WLAN findet sich in nur einem Drittel der Ladengeschäfte, auch virtuelle Regale zur Sortimentserweiterung gibt es nur bei 5 Prozent der befragten Einzelhändler. Die Mehrheit der Befragten verfügt darüber hinaus über kein ausgewiesenes Budget um in Digitalisierungsmaßnahmen zu investieren.

Die großen Online-Händler gefährden den Markt

Viele der befragten Händler gaben den Forschern gegenüber an, dass sie ihre Marktposition durch Amazon, Ebay und Co gefährdet sehen. Besonders Multikanalhändler sehen den Einfluss durch die Online-Riesen als sehr hoch an, da diese in Sachen Preissetzung und Versand wesentlich besser aufgestellt sind. Der stationäre Handel hingegen sieht seine Marktmacht nicht ganz so stark gefährdet, da viele Kunden immer noch auf den lokalen Anbieter in der Nähe setzen und die Produkte vor Ort getestet werden können. 

Der stationäre Handel bleibt wichtigster Einkaufskanal

Hierbei sind sich die meisten Befragten einig, ungefähr 64 Prozent sehen das Ladengeschäft vor Ort als bedeutendste Anlaufstelle. Diese Ansicht vertreten sogar über die Hälfte der befragten Online-Händler. Ein weiteres Ergebnis der Studie bezieht sich auf immer kleiner werdende Ladenflächen. Diesen Trend beobachten über 61 Prozent der Studienteilnehmer. Bei der Frage, ob die zunehmende Digitalisierung mehr Chancen und Vorteile bietet waren die Befragten unterschiedlicher Meinung, die deutliche Mehrheit sieht diesen Wandel als eher negativ an. Reine Online-Händler stehen dem digitalen Wandel deutlich positiver gegenüber und sehen diesen als deutliche Chance.

Das Fazit der Forscher besagt, dass der deutsche Einzelhandel das klassische Geschäftsmodell grundlegend überdenken sollte. Besonders die Konkurrenz durch die Online-Marktführer wie Amazon und Ebay sollte dabei bedacht werden, nur so kann der Einzelhandel im Wettbewerb besonders auf virtuellen Marktplätzen dauerhaft bestehen.

 

 Quelle: https://goo.gl/hrWMN9