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Wissenschaftler fordern freien Web-Index

Der Versuch, eine europäische Suchmaschine zu entwickeln, scheiterte. Nun fordern Wissenschaftler einen freien Web-Index. Bisher nimmt das Projekt aber nur wenig Kontur an.

Quaero – das digitale Debakel

Googles Übermacht im Internet zu brechen, das haben sich die europäischen Vertreter schon länger auf die Fahnen geschrieben. So ist die Forderung nach der Aufspaltung Googles, die das EU-Parlament Ende des letzten Jahres einreichte, nicht der erste Schritt, den Internetkonzern zumindest auf europäischem Boden in die Schranken zu weisen. So sollte bereits 2006 eine eigene europäische Suchmaschine entwickelt werden, die es mit dem Giganten aufnehmen sollte. Aus dem deutsch-französischen Projekt mit dem Namen „Quaero“ wurde dann allerdings kein Sieg von David über Goliath: Der digitale David schaffte es nicht einmal richtig auf das Schlachtfeld. Googles Macht dagegen ist heute mit über 90% der Marktanteile in Europa ungebrochen.

Der freie Web-Index als Alternative

Eine Gruppe von Wissenschaftlern, darunter Wolfgang Sander-Beuermann, Vorsitzender des Vereins Suma e.V. für freien Wissenszugang, schlagen nun die Entwicklung eines freien Web-Index vor. Ein solches Spiegelbild des Internets benutzen auch Google & Co. als Grundlage seiner Suchmaschine und speichern dafür unglaubliche Datenmassen in den Rechenzentren dieser Welt. Sander-Beuermann und seine Kollegen fordern nun einen freien Index, auf dem Organisationen und Unternehmen eigene Suchmaschinen oder Webkataloge aufbauen können. Mit dieser Voraussetzung, so die Meinung der Internetexperten, wäre es möglich, Google im Kampf die Stirn zu bieten.

Konkrete Pläne fehlen bisher

Konkrete Pläne zur Umsetzung dieser Idee gibt es allerdings bisher nicht. Die Organisation und Finanzierung einer solchen Unternehmung wären aufwändig und sehr kostenintensiv. So wird das Internet immer komplexer, die Datenmengen größer. Allein für die Aufnahme des großen Datenvolumens müssten riesige Speicherplätze zur Verfügung stehen. Selbst große Unternehmen würden hier heutzutage an ihre Grenzen stoßen. Dirk Lewandowski, Professor für Informationswissenschaft an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, sieht die Verantwortlichkeiten für die Umsetzung bei der europäischen Staatengemeinschaft. Zunächst, so sagt der Suchmaschinenexperte, müsse aber geklärt werden, welcher politische Prozess dahinführen könne.

Eine schwere Aufgabe für Europa

Dabei stehen die Chancen, auch von politischer Seite Unterstützung zu gewinnen, derzeit nicht schlecht. So gab es laut Lewandowski bereits Kontakte ins Bundeskanzleramt, zur Spitze der EU-Kommission und zum EU-Präsidenten Martin Schulz. Besonders in Brüssel dürften die politischen Vertreter offen Ohren für neue Ideen haben, um Googles Macht stärker einzudämmen. Dennoch bleibt das Projekt eine Mammutaufgabe, die vermutlich nur mithilfe vieler Akteure aus der europäischen Politik und Wirtschaft lösbar wäre. Ebenso wie Google müsste sich auch dieses Projekt zudem intensiv mit Datenschutzrichtlinien auseinandersetzen, allein in diesem Gebiet hat Europa es bis heute nicht geschafft, die notwendigen Kompromisse zu treffen, um ein einheitliches Regelwerk zu ermöglichen. Auch das stand einem Anschluss Europas an den internationalen Wettbewerb in der digitalen Welt bisher immer im Wege.

Quelle: http://goo.gl/qUs4vT